Die Schweizer Bundeskanzlei hat am 2. September in Bern ein Programm für souveräne Arbeitsplatzsoftware angekündigt. Nach einer Machbarkeitsstudie beginnt damit die nächste Phase: der Aufbau einer Plattform für ausgewählte Beschäftigte in kritischen Geschäftsprozessen. Rund 3000 Mitarbeitende sollen die Lösung ab Ende 2027 nutzen können, so die Mitteilung der Bundeskanzlei. Wer solche IT-Vorhaben verfolgen möchte, kann PipeSignals kostenlos ausprobieren und einen eigenen Marktradar einrichten.
Eine zusätzliche Option für kritische Aufgaben
Geplant ist eine eigenständige Lösung neben Microsoft 365. Sie soll E-Mail, Kalender, Dokumente, Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen abdecken. Für die erste Phase veranschlagt die Bundeskanzlei etwa neun Millionen Franken. Die Mittel stammen aus einem parlamentarisch beschlossenen Ansatz für eine souveräne Schweizer Open-Source-Plattform zur Büroautomation.
Ob später eine vollständige Umstellung der Bundesverwaltung folgt, bleibt offen. Zunächst soll die erste Phase Erfahrungen liefern, auf deren Grundlage sich die Kosten eines breiteren Einsatzes und des regulären Betriebs besser einschätzen lassen. Die angekündigte Nutzerzahl beschreibt somit ein künftiges Ziel, keinen bereits erreichten Umstellungsstand.
Was der Praxistest bereits gezeigt hat
Die Projektseite zu PoC BOSS nennt 172 Testpersonen aus verschiedenen Departementen. Im Test der Browseranwendung wurden insbesondere Dokumentbearbeitung, Dateiablage, Zusammenarbeit sowie E-Mail und Kalender positiv bewertet. Für zentrale Standardprozesse sieht die Bundeskanzlei eine grundsätzliche Eignung; für einen breiten Produktivbetrieb bleiben technische, betriebliche und organisatorische Hürden.
Die untersuchte Umgebung baut auf openDesk auf. Zu den erprobten Komponenten gehören Collabora Online für Dokumente, Open-Xchange für E-Mail und Kalender sowie Univention für Identitäts- und Zugriffsmanagement. Diese Architektur zeigt, dass es bei dem Vorhaben um das Zusammenspiel mehrerer Anwendungen geht. Die Ergebnisse eines einzelnen Programms reichen deshalb nicht aus, um die Alltagstauglichkeit des gesamten Arbeitsplatzes zu beurteilen.
Parallelbetrieb wird zur Bewährungsprobe
Watson berichtete am 2. September über den Programmstart und ordnet ihn in weitere Schweizer Versuche mit freier Bürosoftware ein. Der Bericht weist auf Grenzen bei grossen Videokonferenzen hin. Ein erfolgreicher Plattformaufbau muss daher sowohl vertraute Büroaufgaben als auch die anspruchsvolleren Formen der Zusammenarbeit berücksichtigen.
Für IT-Dienstleister ist vor allem die spätere Integration interessant. Falls externe Leistungen beschafft werden, könnten Erfahrungen mit Identitätsmanagement, Dokumentenaustausch, Betrieb und Nutzerschulung relevant sein. Entscheidend wäre, wie gut sich die beiden Arbeitsumgebungen verbinden lassen und welche Abläufe auch bei einer Störung weiter funktionieren müssen. Der Programmstart allein belegt keine offene Ausschreibung.
Für Anbieter im DACH-Markt lohnt sich deshalb der Blick auf die nächsten konkreten Umsetzungsschritte: technische Anforderungen, Erprobung im Alltag und gegebenenfalls veröffentlichte Beschaffungen. Um diese Entwicklungen passend zur eigenen Leistung zu beobachten, können Sie PipeSignals kostenlos testen und den Radar selbst konfigurieren.
